Aussichtstürme sind beliebte Ausflugsziele; die Nah- und Fernsicht lassen uns vielfältige Einblicke in unsere Kultur- und Naturlandschaft erleben. Nach einem Aufstieg werden die Besucherinnen und Besucher in der Regel von einer Panoramasicht belohnt, die den Horizont weitet. Ein Fernrohr, ein differenziert gezeichnetes Panorama oder ein ausgeklügelter «Alpenzeiger» unterstützen dabei die Identifikation der nahen und vor allem entfernteren Hügelzüge und Bergspitzen samt Höhenangabe.
Mit Aussichtstürmen sind Bauwerke gemeint, welche über für den Publikumsverkehr zugängliche Aussichtsmöglichkeiten verfügen. Sie umfassen Aussichtstürme ohne anderen Zweck, Fernseh- und Wassertürme, Kirchtürme, ehemalige mittelalterliche Türme, oder Hochhäuser. Aussichtsplattformen, welche in der natürlichen Topographie errichtet wurden, wie z.B. auf einer Bergkuppe oder dem Rand einer Schlucht, sogenannte Skyways/Skywalks – werden in der Karte nicht berücksichtigt. Aktuell zählt man in der Schweiz ca. 200 Aussichtstürme, erstellt aus verschiedensten, oft auch kombinierten Materialien wie Holz, Stein, Beton oder Metall.
Die Anfänge der Aussichtstürme reichen in die Zeit der Aufklärung und die damit verbundene Entdeckung der Natur zurück. Frühe Beispiele sind aus Deutschland bekannt, so der gemauerte Turm von 1772 auf dem Melibocus im Odenwald oder der 1782 im Auftrag von Graf Friedrich Wilhelm von Westphalen bei Menschede errichtete «Wartturm», der einzig der Aussicht diente und heute als Ruine erhalten ist. Neben der praktischen Funktion gewannen die Aussichtstürme aufgrund ihrer meist exponierten Lage in der Landschaft einen ideellen Wert als Denkmal mit Repräsentations- und Signalcharakter. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts ging diese Bauaufgabe in Deutschland von den adeligen Auftraggebern an die Bürger über und wurde von Vereinen und Komitees getragen. Einen Höhepunkt erlebten diese Aktivitäten in der Zeit des Zweiten Kaiserreichs zwischen 1871 und 1918.
In den Alpenländern wie der Schweiz sind frühe gemauerte Türme zum einzigen Zweck einer Rundumsicht nicht bekannt. Hier setzte die Entwicklung erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Die Einführung der gesetzlichen Sonntagsruhe brachte der Bevölkerung die Freizeit als neue Errungenschaft. Mit den nach und nach erstellten Eisenbahnverbindungen erreichten die Ausflügler die Ausgangspunkte für sonntägliche Wanderungen. Vom Bahnhof Hinwil aus gelangte man zum Beispiel ab 1876 bequem auf den über 1100 m ü. M. gelegenen Bachtel und bestieg als Höhepunkt den Aussichtsturm. Solche hölzernen Bauwerke entstanden in der Zeit des jungen Bundesstaats häufig in Kombination mit einem Gasthaus, um den Tourismus zu beleben. Auftraggeber waren neben den örtlichen Gastwirten vor allem der 1863 gegründete Schweizer Alpenclub (SAC) bzw. eine seiner Sektionen, eine Genossenschaft oder ein Verkehrsverein. Holzkonstruktionen der ersten Generation bestanden häufig nur kurze Zeit, sei es wegen statisch-konstruktiver Mängel oder aufgrund der exponierten Lage. Nach 1880 lösten erstmals stabilere Stahlfachwerk- die Holzkonstruktionen ab. Erste Beispiele dieser Art sind diejenigen auf dem Schaffhauser Randen.
19. November 2020
26. Januar 2023
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