Beschäftigte in der Maschinenbauindustrie

Beschäftigte in der Maschinenbauindustrie

Maschinenbau gab es in der Schweiz bereits vor 1800. Handwerker konstruierten für die Heimindustrie Spinnräder und Webstühle und für verschiedene Gewerbe Wasserräder samt zugehörigen Transmissionen und Arbeitsmaschinen wie Mühlen, Sägen und Stampfen. In der Westschweiz entstanden im Umfeld der Uhrenindustrie verwandte Apparate. Zur Einrichtung der ersten mechanischen Spinnereien mussten 1800 englische Mechaniker beigezogen und wesentliche Bestandteile importiert werden. Weil die Einfuhr ganzer Anlagen sowie deren Bedienung und Wartung durch ausländische Fachleute äusserst aufwendig waren, gliederten sich den Spinnereien mechanische Werkstätten an (z.B. Honegger, Rieter). Diese bauten im Laufe der Zeit selbst Maschinen oder zumindest Teile, indem sie ausländische Modelle kopierten. Damit begann die Entwicklung zur Maschinenfabrik: Der Umsatz der Maschinenbauabteilung stieg, während die Spinnereiabteilung an Bedeutung verlor.

Übergang zum allgemeinen Maschinenbau
War die frühe Maschinenindustrie nicht nur eine Metall, sondern auch eine Holz verarbeitende Industrie, so begannen Eisen und Stahl gegen Mitte des 19. Jh. zunehmend zu dominieren. Weil Wasserräder mit ihrem geringen Wirkungsgrad vielerorts nicht mehr genügten, nahmen Betriebe in den 1840/50er Jahren den Bau von Turbinen auf (Escher, Wyss & Cie.).
Gegen Ende 19. Jh. entstanden weitere Schwerpunkte: Zu den Dampfmaschinen kamen die Dampfturbinen, die vor allem für Kraftwerke, aber auch für Schiffe exportiert wurden (z.B. Sulzer). Verschiedene Firmen widmeten sich der Verbesserung von Verbrennungsmotoren und erzielten vor allem bei grossen Dieselmotoren beachtliche Erfolge. Auch im Motorfahrzeugbau stellten sich Anfangserfolge ein: Im ersten Jahrzehnt des 20. Jh. entstand neben mehreren kleinen Autoherstellern die sich bald auf Lastwagen spezialisierende Abteilung bei Saurer. Bis Ende des 1. Weltkriegs blühte der Export der neuen Branche.

Aufstieg zur führenden Industrie
Entscheidend war jedoch der Aufstieg der Elektroindustrie: Noch vor dem 19. Jahrhundert konnte die schweizerische Maschinenindustrie die gesamte elektrische Ausrüstung (Schwachstrom- und Starktechnik) liefern, von der Turbine über die Generatoren und Transformatoren bis zur Steckdose (Brown, Boveri & Cie., Meuron & Cuénod). Parallel dazu entstand eine elektrische Apparateindustrie, die den durchschlagenden Erfolg der neuen Energie ermöglichte.
Der mächtige Aufschwung der Maschinenindustrie um die Jahrhundertwende schlug sich sowohl in der Erwerbs- als auch in der Aussenhandelsstatistik nieder. 1900 lag die Maschinenindustrie allerdings mit gut 35'000 Beschäftigten weit hinter der Textil- und der Bekleidungsindustrie und dem Baugewerbe, sogar noch hinter der Uhren- und der Nahrungsmittelindustrie sowie dem Holzgewerbe. Rund ein Drittel der Produktion ging ins Ausland, aber verglichen mit der Textilindustrie blieb der Exporterlös bescheiden.

Maschinenbau als Exportindustrie
Noch vor dem 2. Weltkrieg stieg die Maschinenindustrie zur stärksten Exportindustrie auf. Gut zwei Drittel der Gesamtproduktion gingen nun ins Ausland. Auch beschäftigungsmässig überholte sie in den 1930er Jahren die Textil- und die Bekleidungsindustrie. Nach dem 2. Weltkrieg ermöglichte es nicht zuletzt die schweizerische Kreditpolitik der Maschinenindustrie, für den Wiederaufbau Europas in grossem Masse zu liefern. In den 1950er Jahren überholte sie beschäftigungsmässig das Baugewerbe und blieb bis in die 1980er Jahre wichtigster Arbeitgeber des 2. Sektors.
Seit den 1970er Jahren gilt die Maschinenindustrie jedoch als strukturell gefährdet; in den Krisen 1974–75, 1982–83 und 1991–93 litt sie jeweils erheblich. Erschwerend wirkte sich der zögernde Einstieg in die Mikroelektronik aus. In den 1980er Jahren gingen fast drei Viertel der Produktion ins Ausland. Wichtigste Abnehmer waren vom späten 19. Jh. an fast immer Deutschland und Frankreich und in etwas geringerem Ausmass Italien. In der 2. Hälfte des 20. Jh. kamen als neuer Grossabnehmer die USA dazu. Der Weltmarktanteil sank seit dem Höhepunkt in der Hochkonjunktur der 1950er und 60er Jahre erheblich und lag in den 1990er Jahren in der Grössenordnung von 2–3%; dies entsprach weltweit einem Top Ten-Rang. Die relativ stärkste Stellung auf dem Weltmarkt hielt die Maschinenindustrie 2000 noch immer in ihren traditionellen Bereichen Papierverarbeitungs-, Textil- und Werkzeugmaschinen. Heute besteht die Maschinenindustrie nicht nur aus Grossbetrieben: Je rund ein Drittel der Beschäftigten arbeitet in Klein- (20–100), Mittel- (100–500) und Grossbetrieben (über 500).

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Veröffentlichungsdatum

4. November 2020

Letzte Aktualisierung

10. Februar 2022