Die Schweiz war lange ein Weinland, Brauereien konnten kaum Fuss fassen im Gebiet der Eidgenossenschaft. Nach den Karolingern und einem Aufflackern von Brauaktivitäten in und um die Klöster im Mittelalter fristete das Bierbrauen ein Randdasein. Wenn in grösserem Stile Bier gebraut wurde, dann waren meistens Deutsche als Brauer oder anspruchsvolle Konsumenten beteiligt. So forderten die bayrischen Postknechte des Berner Postpionieres Beat von Fischer im 17. Jh. ultimativ den Ausschank ihres Lieblingsgetränks, sonst würden sie die Arbeit einstellen. Aus diesem Grund errichtete Beat von Fischer in seinem Schloss Reichenbach eine Brauerei, die bis 1971 bestand.
Generell war Bier bis ins 19. Jahrhundert qualitativ eher schlecht, weil man v.a. die Gärprozesse nicht richtig im Griff hatte, und zudem viel teurer als Wein. Es fehlten geeignete Ackerflächen, um Braugerste anzubauen, während die vielen Hanglagen an Seen und Flüssen den Weinbau begünstigten.
Die Wende kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als es gelang, Bier industriell und qualitativ stabil herzustellen und der Ausbau des Eisenbahnnetzes die Einfuhr von geeigneten Rohstoffen, namentlich Braugerste, erlaubte. Die Erfindung der künstlichen Kühlung, von einem Münchner Brauer angeregt, erlaubte endlich auch bei Hitze zu brauen und das Bier einige Zeit zu lagern. Zuvor war Bier im heissen Hochsommer paradoxerweise gerade nicht oder nur schwer erhältlich und man war auf Natureisvorräte und tiefe Felsenkeller angewiesen.
Der Weinbau war am Ende des 19. Jahrhunderts gleichzeitig in eine tiefe Krise gerutscht, da Rebkrankheiten ganze Weinberge dahinrafften. Der Preis stieg beträchtlich. Durch Panschereien, die aus Verzweiflung vorgenommen wurden, hatte auch der Ruf zwischenzeitlich stark gelitten.
So kam es vor allem in der wachsenden Arbeiterschaft, welche die Industrialisierung mit sich brachte, zu einer Verlagerung von Wein und minderwertigem Schnaps hin zum Bier. Auch in akademischen Kreisen war Bier v.a. in Studentenverbindungen plötzlich en vogue und die unzähligen patriotischen Feiern dieser Zeit bewirkten eine Ausweitung der Trinkzone, die den Zuspruch zu Wein und Bier gleichermassen förderten.
Die Zahl der Brauereien stieg von rund 150 Brauereien um 1850 auf über 400 Betriebe in den 1880er Jahren. Das industrielle Brauen und die verbesserte Logistik ergab jedoch eine Überproduktion, die Brauereien ohne einen ausreichenden Kundenstamm, der mit grossem finanziellen Aufwand gepflegt werden musste, keine Chance mehr liess. Der Erste Weltkrieg und die mangelnde Rohstoffversorgung verschärfte das Brauereisterben, so dass in den 1930er Jahren noch 59 Brauereien übrig blieben. Das 1935 ins Leben gerufene Bierkartell stabilisierte den Markt, jedoch reduzierte die Krise der 1970er Jahre die Zahl bis zum Auseinanderbrechen des Kartells um 1990 auf noch 32 Brauereien. Die danach einsetzende Renaissance der Kleinbrauereien in der Schweiz hat bewirkt, dass es heute wieder gegen 500 Brauereien gibt, wenn auch die Mehrzahl nur im Nebenamt betrieben werden. Die grössten Marktanteile haben die Braustätten der ausländischen Grosskonzerne Carlsberg (Feldschlösschen, Valaisanne) und Heineken (Eichhof, Calanda).
Der Pro-Kopf-Konsum erreichte – nach 36 Liter um 1883 – im Jahr 1911 eine Rekordmarke von 84 Litern. Nach einem Taucher auf rund 60 Liter in der Zwischenkriegszeit waren es 1991 wiederum 71 Liter. Aktuell pendelt die Marke um 57 Liter pro Jahr. Exporte spielten für die Schweiz nie eine grosse Rolle (ausser bei alkoholfreien Bieren), der Anteil von Importbier am Inlandkonsum – insbesondere von billigem Dosenbier – liegt heute bei rund 25%.
5. Oktober 2016
1. Juni 2022
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