Die Erdgeschichte zeichnet einen pragmatischen Weg vor, die Komplexität der Geologie Europas verständlich zu machen: den Weg der Genese. Vereinfacht kann der tektonische Bau nach der Entstehung in fünf grosse Epochen gegliedert werden:
Ur-Europa (Archaikum und Proterozoikum)
Die Entstehung dieser ältesten Epoche reicht ins Archaikum zurück und ist durch verschiedene gebirgsbildende und metamorphe Zyklen geprägt. Von diesen alten kontinentalen Gebirgen sind die Schilde in Nordafrika sowie die arabische und russische Tafel erhalten. Teile davon sind auch der Fennosarmatische Schild, welcher vor ca. 2000 Mio. Jahren gebildet wurde und der Baltische Schild, welcher im Proterozoikum (vor ca. 1600 Mio. Jahren) entstand. Später wurden die damals gebildeten Schilde gehoben und erodiert.
Paläo-Europa (Kaledoniden)
Paläo-Europa ist aus Teilen präkambrischer Kerne und jüngeren Sedimentpaketen hervorgegangen, die in verschiedenen Becken abgelagert wurden. Seit dem Kambrium (vor 600 Mio. Jahren) bis gegen Ende des Silurs (vor 440-410 Mio. Jahren) wurde durch die kaledonische Gebirgsbildung Paläo-Europa in seiner eigentlichen Form gestaltet.
Meso-Europa (Variskiden, Herzyniden)
Meso-Europa ist im Wesentlichen das Resultat der variskischen Gebirgsbildung (mittleres Devon vor ca. 400 Mio. bis Ende Perm vor 250 Mio. Jahren). Es bildet zusammen mit den Kaledoniden die europäischen Mittelgebirgslandschaften. Die fast 500 km breite Faltungszone zeigt sehr unterschiedliche Faltungen, aber keine eigentlichen Deckenüberschiebungen. Aus ausgedehnten Sumpfwäldern bildeten sich mehrere 1000 m mächtige Kohlenablagerungen, die als zusammenhängendes Band von England über Nordfrankreich, Belgien, das Saar- und Ruhrgebiet bis nach Polen reichen.
Grosse intrakontinentale Becken
Starke Erosion des europäischen Schildes führte zu Einebnungen und zur Bildung kontinentaler bis flachmariner Becken vom Perm bis Kreide. Periodische marine Überflutungen und darauf folgende Verdunstungsepochen führten zur Ablagerung von weit über 1000 m mächtigen Salzschichten.
Neo-Europa (Alpiden)
Neo-Europa wird durch die jungen Gebirgsgürtel charakterisiert, die sich von Nordafrika (Atlas) und der Iberischen Halbinsel (Pyrenäen) über die Alpen bis zum Balkan und zur Türkei erstrecken. Die alpine Gebirgsbildung begann in der späten Trias vor ca. 220 Mio. Jahren und dauert bis in die Gegenwart an.
9. Februar 2017
6. November 2017
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