Kanu- oder Paddelsport ist eine Wassersportart, bei der ein Kanute mit einem Kanu in Blickrichtung vorwärts fährt und mit einem Paddel fortbewegt. Im Gegensatz zum Rudern besteht dabei keine feste Verbindung des Paddels zum Boot. Englische Kapitäne brachten die ersten Kanus im 16. bis 17. Jahrhundert nach Europa. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts brachten englische Studenten Kanus auch in die Schweiz. Der Sport wird als Kanuwandern auf Flüssen, als Wildwassersport, als Wettkampfsport und in mehreren Spezialdisziplinen betrieben. Dabei kommt unterschiedliches Bootsmaterial zum Einsatz.
Traditionell gibt es die beiden Bootstypen des Kajaks und des Kanadiers, die sich nach der Art des Paddels unterscheiden:
Innerhalb dieser zwei Hauptarten gibt es zahlreiche Variationen. Breite Boote gelten eher als stabil und lange, schmale Boote als schneller aber auch leichter kippend.
Kanu als Freizeitsport oder als Fortbewegungsmittel kann in unterschiedlichen Kanutypen auf verschiedenen Gewässern (Wildwasser oder See) ausgeübt werden.
Kanuwandern (auch Tourenpaddeln oder Wanderpaddeln). Das Befahren eines meist ruhigen Gewässers mit einem Kanu wird von mehr als 98% der Kanuten betrieben. Neben kurzen Strecken werden auch längere Touren unternommen und traditionell in Kombination mit Camping betrieben. Wegen der relativ abgeschiedenen Strecken in Nordamerika und Skandinavien herrschen dort die Kanadier mit ihrer hohen Transportkapazität und dem einfacheren Aussteigen und Tragen bei Hindernissen vor, während die meisten Kanuten in Europa den Kajak verwenden. Die relativ geringen körperlichen Anforderungen bei einfachen Gewässern führen zu grosser Verbreitung. Die Sportart kann auch noch im hohen Alter oder als Familie mit Kindern ausgeübt werden.
Seekajakfahren (auch Salzwasser-, See- oder Küstenpaddeln), wird mit schlank gebauten Kajaks auf Grossgewässern betrieben. Es erfordert neben Kenntnissen der Navigation die Berücksichtigung von Gezeiten und Wetter. Die Anforderungen an körperliche Fitness, Beherrschen von Rettungstechniken und Ausrüstung sind bedeutend höher als beim Kanuwandern.
Wildwasserpaddeln hat einen fliessenden Übergang zum Kanuwandern und wird auf Wildwasser betrieben. Unterschiedliche Boote können je nach Gewässer und Schwierigkeitsgrad verwendet werden. Dabei ist die genaue Erkundung und Berücksichtigung von Pegelständen erforderlich.
In der Schweiz gibt es etliche Gewässer, die sich für das Wildwasserpaddeln mit dem Kanu eignen. Diese Wildwasser werden gemäss International Canoe Federation ICF in sechs Wildwasserstufen klassiert. Die Einteilung erfolgt nach ihrer Befahrbarkeit bezüglich Sicht (frei, verdeckt), Wasser (z.B. Wellen, Schwälle) und Flussbett (z.B. Gefällstufen) in römischen Zahlen, aufsteigend von I bis VI. Die Ziffer I steht dabei für einfach befahrbar, III für schwer befahrbar und V für überaus schwer befahrbar. Strecken, die mit VI klassiert sind, sind im Allgemeinen nicht befahrbar. Die Schwierigkeitsgrade beziehen sich auf einen Fluss bei normalem Wasserstand. Diese Gewässer werden zum Teil auch beim Rafting verwendet.
Playboating (früher bekannt als Kanurodeo) ist der spielerische Umgang mit dem Wildwasser. In den letzten Jahren hat die Beliebtheit dieser Sportart stärker zugenommen als die der traditionellen Disziplinen. Auch viele Wildwasserpaddler führen bei ihren Touren an geeigneten Stellen Figuren durch.
Der Schweizerische Kanu-Verband SKV ist die Dachorganisation im schweizerischen Kanusport. Der SKV wurde 1925 als Vereinigung Schweizerischer Flusswanderer gegründet und zählte damals 31 Mitglieder. 2015 zählt der Verband 3800 Mitglieder in 48 Clubs Das übergeordnete Ziel des SKV ist die Pflege und Förderung des Kanusports in der Schweiz auf der Ebene der Freizeitpaddler sowie der Leistungssportler. Auf Wettkampfebene werden in der Schweiz vom SKV Wettbewerbe in folgenden Disziplinen angeboten: Abfahrt, Slalom, Regatta, Kanupolo, Freestyle und Drachenboot. Des Weiteren setzt sich der SKV für die Erhaltung der Gewässer und deren Nutzung für den Kanusport ein.
3. Juni 2016
5. September 2019
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