Römisch-katholische Bistümer
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In der Schweiz bestehen sechs Bistümer (Basel, Lausanne-Genf-Freiburg, Sitten, Lugano, Chur, St. Gallen) sowie zwei Gebietsabteien (St. Maurice, Einsiedeln). Anders als in vielen anderen Ländern sind die Schweizer Bistümer nicht in einer Kirchenprovinz zusammengeschlossen, sondern unterstehen direkt dem Heiligen Stuhl. Eine Zusammenarbeit zwischen den Bistümern findet auf nationaler Ebene in der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) statt. Die SBK war bei ihrer Gründung im Jahr 1863 weltweit die erste Versammlung von Bischöfen eines Landes. Die grossen Schweizer Bistümer sind in Bistumsregionen unterteilt und in Dekanaten bzw. Vikariaten organisiert, welche jeweils mehrere benachbarte Pfarreien umfassen.
Eine Besonderheit der römisch-katholischen Kirche der Schweiz ist das in grossen Teilen des Landes bestehende duale System. Ihre Organe gliedern sich in zwei Bereiche mit jeweils unterschiedlichen Aufgaben. Neben den Organen kirchlichen Rechts (Bistümer, Pfarreien), welche sich in erster Linie um Fragen der Kirchenleitung, der Pastoral, Verkündigung und Sakramente kümmern, existieren die Organe staatlichen Rechts (Kirchgemeinden und kantonale kirchliche Körperschaften), die vor allem um Verwaltungsangelegenheiten, Finanzen, Liegenschaften und Immobilien besorgt sind.
Bistum Basel
Erster Sitz des Bischofs von Basel war Augusta Raurica (Kaiseraugst). In dieser Stadt entstand in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts eine der frühesten christlichen Gemeinden auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Der Bischofssitz wurde in karolingischer Zeit nach Basel verlegt. Im Mittelalter entwickelte sich Basel dann zum geistigen und geistlichen Zentrum des oberen Elsass. Kirchlich von besonderer Bedeutung wurde Basel am Ende des Mittelalters mit dem Reformkonzil (1431–1449), dem die Stadt ihre Universität verdankt. Mit der einsetzenden Reformation verlegte der Bischof 1527 seine Residenz von Basel ins fürstbischöfliche Schloss zu Pruntrut. Das Domkapitel blieb hingegen weiterhin in Basel. Zwei Jahre später siedelten die Domherren und Kapläne, welche nicht zur Reformation gewechselt hatten, ins katholische Freiburg im Breisgau. Damit hörte Basel für immer auf, Sitz des Bischofs und des Domkapitels zu sein. 1679 beschlossen Bischof und Kapitel, eine neue Residenz in Arlesheim zu errichten. Mit dem Ausbruch der französischen Revolution 1789 mussten sie Arlesheim verlassen und flohen ins Exil. Aufgrund eines Konkordats zwischen Basel, Luzern, Solothurn und Zug mit dem Papst kam es 1828 zur Neuerrichtung des Bistums Basel mit Bischofssitz in Solothurn.
Bistum Lausanne, Genf und Freiburg
Als Bischofssitz sind in Freiburg die schweizerisch gewordenen Gebiete der spätantiken Bistümer Lausanne und Genf vereinigt. Das ehemalige Bistum Lausanne hat seinen Ursprung in der römischen Stadt Aventicum. Der Bischof verlegte gegen Ende des 5. Jahrhunderts seinen Sitz nach Lausanne. Das Gebiet der Diözese, das sich von Nyon bis Solothurn erstreckte, stand zunächst unter der Oberaufsicht der Bischöfe von Lyon und später unter derjenigen der Bischöfe von Besançon. Die Ursprünge des ehemaligen Bistums Genf reichen ins 4. Jahrhundert zurück. Zunächst war das Bistum Genf der Erzdiözese Vienne unterstellt. In der Reformation mussten die Bischöfe von Genf und Lausanne nach Savoyen fliehen. 1613 liess sich der Bischof von Lausanne in Freiburg nieder. Nach der Aufnahme Genfs in die Eidgenossenschaft 1815 wurden die nun schweizerischen Gebiete des ehemaligen Bistums Genf dem Bistum Lausanne zugeschlagen.
Bistum Sitten
Das Bistum Sitten entstand aus dem spätantiken Bistum Octodurus, das auch Teile der späteren Diözese Lausanne umfasste. Der Bischofssitz war zunächst in Martigny. Im 6. Jahrhundert verlegte das Bistum seinen Sitz nach Sitten.
Bistum Lugano
Das Tessin gehörte kirchlich bis 1888 zu den Bistümern Como und Mailand. Zunächst blieb das Tessin als Apostolische Administratur dem Bistum Basel unterstellt, da in der Schweizer Bundesverfassung das Verbot der Gründung neuer Bistümer bestand. Erst 1971 wurde die Apostolische Administratur offiziell vom Bistum Basel losgelöst und der neue Status der Diözese besiegelt.
Bistum Chur
Das Bistum Chur entstand vermutlich im 4. Jahrhundert im Territorium von Churrätien. Kirchlich gehörte das Bistum Chur zuerst zum Erzbistum Mailand. Nach der Teilung des Fränkischen Reiches im Jahre 843 bis 1803 unterstand es dem Erzbistum Mainz und seither direkt dem Papst. Der Bischof von Chur kontrollierte im Mittelalter als weltlicher Herrscher, als Fürstbischof des Heiligen Römischen Reiches, grosse Teile des heutigen Graubündens, Chiavenna, Bormio und den Vinschgau. Dabei stand er in ständigen Fehden mit seinen Ministerialen einerseits und konkurrierenden Landesherrschaften andererseits. Im 14. Jahrhundert gingen die Grafschaften Chiavenna und Bormio an Mailand verloren, später auch der Vinschgau und Teile Vorarlbergs. Im Jahre 1819 erhielt das Bistum Chur Ob- und Nidwalden, Teile von Uri, Schwyz, Glarus und Zürich des erloschenen Bistums Konstanz zur provisorischen Administratur. Mit der päpstlichen Bulle wurde 1823 das neugeschaffene Bistum Chur-St. Gallen gegründet, woraus sich 1847 das Bistum St. Gallen abspaltete.
Bistum St. Gallen
Kirchlich gehörte die Nordost- und Südwestschweiz zum Bistum Konstanz, bis sie 1814 von Konstanz abgetrennt wurde. Nach der Trennung wurde 1823 das Bistum Chur-St. Gallen gegründet; St. Gallen war aber damit nicht einverstanden. Um den jahrelangen Streit zu beenden, wurde ein apostolisches Vikariat für St. Gallen errichtet, woraus 1847 das Bistum St. Gallen hervorging.
Erzbistum Vaduz
Das Erzbistum Vaduz wurde 1997 errichtet. Zuvor war das Gebiet als Dekanat Liechtenstein ein Teil des Bistums Chur.
Abtei St-Maurice
Das Kloster St-Maurice wurde 515 über dem Grab des Heiligen Mauritius errichtet. Es gilt als ältestes Kloster des Abendlandes, das ohne Unterbrechung besteht. Die Abtei hat mit den Pfarreien von St-Maurice, Vernayaz, Salvan und Finhaut den Status einer Gebietsabtei.
Abtei Einsiedeln
Das 934 gegründete Kloster gehörte ursprünglich zur Diözese Konstanz. Nach der Auflösung des Bistums Konstanz kam das Kloster 1819 provisorisch und 1824 definitiv zur Diözese Chur. Seit 1907 hat die Abtei den Status einer Territorialabtei und gehört keine Diözese an.
Als einzige Schweizer Gemeinde gehört die Pfarrei Saint-Gingolph VS einem ausländischen Bistum – dem Bistum von Annecy – an.
Textquellen
- Wikipedia contributors (2019): Schweizer Bischofskonferenz. In: Wikipedia
- Kommission für Tourismus-, Freizeit- und Pilgerseelsorge (2011): Bistümer und Gebietsabteien
- Kath.ch: Kirchengeschichte
- SBK: Anfang und Ursprung der SBK
- SPI: Die Schweizer Bistümer
Datenquellen
- APAV: Inventari APAV. Mappa Interrativa. Associazione per la protezione del Patrimonio Artistico e Architettonico di Valmaggia
- Batz (2003): Die Kirchen und Kapellen des Kantons Graubünden. Chur: Casanova
- Bistum Basel: Bistumsregionen des Bistums Basel
- CIC (2016): D’église en ashram. Cartographie de la diversité religieuse à Genève. Centre d’information sur les croyances
- Dictionnaire du Jura (2011): Chapelles, oratoires et grottes
- Diocese in Europe: Archdeaconry: Switzerland
- Eglise catholique romaine Neuchâtel: L’Eglise catholique dans le canton de Neuchâtel
- ETG: Gemeindeübersicht. Bund der Evangelischen Täufergemeinden
- Hemmer SA: theodia.org. Offices religieux catholiques
- ITDV: Dernekler. Türkisch Islamische Stiftung
- KOVOSS’CORISS: Gemeinschaften. Konferenz der Vereinigungen der Orden und Säkularinstitute der Schweiz
- Obwalden Tourismus (2014): Kirchen, Kapellen, Klöster
- OpenStreetMap Foundation (2019): OpenStreetMap
- Orthodoxie.ch: Carte des paroisses. Paroisses orthodoxes en Suisse
- Römisch-kahtolische Kantonalkirche Schwyz (2019): Pfarreien im Kanton Schwyz
- Römisch-Katholische Landeskirche des Kantons Aargau (2014): Aargauer Kapellen
- Schweizer Bischofskonferenz (2013): Statistik der katholischen Kirche in der Schweiz
- Stiftung forum (ed.): 96 Pfarreien – 1 Pfarrblatt. forum – Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zürich
- swisstopo [J160089] (2010): Gemeindegrenzen GG25
- swisstopo [J160089] (2010): VECTOR25
- Ufficio dei beni culturali: Inventario dei beni culturali (IBC)
- Universität Luzern: Religionsvielfalt im Kanton Luzern
- Wikipedia contributors (2018): Judentum in der Schweiz. In: Wikipedia
- Wikipedia contributors (2018): Liste von Moscheen in der Schweiz. In: Wikipedia
Dateneigner: Bundesamt für Landestopografie (swisstopo), Atlas der Schweiz (AdS), Bundesamt für Landwirtschaft (BLW)
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