Geschichte
Schlitteln – von althochdeutsch slito (Gleiter) – ist zur Winterszeit ein traditionelles Volksvergnügen. Schon im 16. und 17. Jahrhundert rutschte die gut betuchte Bevölkerung Russlands auf Eisblöcken die verschneiten Hügel hinunter. Vereinzelt verwendeten sie auch hölzerne Schlitten. Im urbanen Moskau und St. Petersburg errichtete man sogenannte „Russische Berge“, d.h. mit Schnee und Eis bedeckte Rampen aus Holz, damit auch in der Stadt gerodelt werden konnte. Französische resp. Russische Truppen brachten die “Montagnes Russes” um 1813 nach Paris, von wo aus sie sich auch im übrigen Europa verbreiteten. In der Schweiz wurde das Schlitteln Anfang des 19. Jahrhunderts populär; parallel dazu entstanden regionale Arten von Schlitten und Rodel.
Schlittentypen
Ein Schlitten wird traditionell aus Eschen- oder Buchenholz mit eisenbeschlagenen Kufen hergestellt, wobei neuere auch aus Kunststoffen hergestellt werden. Er bietet meist für ein bis zwei Personen auf einer Sitzfläche auf Holzlatten oder einer Stoffbespannung Platz und hat eine Schnur, an der er bergauf und über flache Strecken gezogen werden kann.
Der Davoser Schlitten wurde im 19. Jahrhundert aus leichten norwegischen Schlitten weiterentwickelt, die damals in die Schweiz eingeführt wurden. Der Name rührt von dem ersten historisch belegten und offiziellen Schlittenrennen her, das 1883 in Davos stattfand und bei dem dieser Schlittentyp zum Einsatz kam. Traditionell ist der Davoser Schlitten als feste Holzkonstruktion aus Eschenholz und mit Eisen beschlagenen Kufen gefertigt. Der Davoser Schlitten ist der meistverbreitete Schlittentyp der Schweiz.
Andere Schweizer Holzschlittenmodelle sind der Aroser Schlitten, der Grindelwalder Schlitten, der Bergüner Schlitten und der Goldiwiler Schlitten. Sie leiten sich bezüglich Konstruktion vom Davoser ab, bieten aber eine verbesserte Sitzposition oder einen Kollisionsschutz (Bergüner Modell).
Der Rodel bildet die konsequente Weiterentwicklung des Schlittens. Der Aufbau eines Rodels mit gebogenen Kufen, beweglich verbundenen Bauteilen, Sitzblache und gekippten Kufen führt zu einer wesentlich höheren Wendigkeit, besseren Bremsverhalten und Komfort im Vergleich zu einem starren Schlitten. Die beweglich gehaltene Konstruktion erfordert auch eine spezielle Kurventechnik. Für die seit 1964 olympische Wintersportart Rennrodeln im Eiskanal werden ausschliesslich Rodel verwendet.
Schlittelbahnen
Schlitteln ist in der Schweiz aktuell (2019) auf mehr als 200 präparierten Schlittelpisten möglich. So verfügt allein das Berner Oberland über 170 Kilometer Schlittelpisten, das Glarnerland besitzt fünf Schlittelwege mit total 16 Kilometer präparierten Pisten.
In der Jungfrau Ski Region befindet sich «Big Pintenfritz», die längste Schlittelpiste der Welt. Vom 2681 Meter über Meer gelegenen Faulhorn über die Bussalp nach Grindelwald misst die Strecke ca. 13 Kilometer. Die rasante Abfahrt muss man sich jedoch erst einmal zu Fuss verdienen – mit einer zweieinhalbstündigen Wanderung.
In der Westschweiz ist die Schlittelpiste von la Tzoumaz eine Besonderheit, da sie eine eigens gebaute Piste aufweist und nicht auf bestehenden Bergwegen angelegt ist.
Seit der Wintersaison 2018/19 steht auf Melchsee-Frutt der erste Schlittel-Lernparcours der Schweiz zur Verfügung. Auf dem Parcours wird das richtige Steuern und Bremsen des Schlittens gelernt. Immer öfters finden sich auch beleuchtete Nachtpisten im Angebot der Tourismusorte.
Verkehr und Kommunikation, Bergbahnverkehr, Seilbahnanlagen
3. April 2019
25. Juni 2021
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