Wasserkraftwerke projektiert (Energiestrategie 2050)
Kategorien: Wirtschaft und Energie › Primär-Energie › Wasserkraft
Wasserkraft spielt eine tragende Rolle für die schweizerische Elektrizitätsproduktion. Sie steuert circa 55-60% der Stromproduktion bei. Die Stromproduktion schwankt jährlich, entsprechend der verfügbaren Niederschlagsmenge und weiteren klimatischen Faktoren. Im Rahmen der Energiestrategie 2050 soll die Wasserkraft um mindestens 2 TWh Stromproduktion pro Jahr ausgebaut werden.
Unterschieden wird zwischen den folgenden Wasserkraftwerksarten:
- Laufwasserkraft an Flüssen (nicht steuerbar, nutzbar ganzjährig für Grundlast)
- Speicherkraft an Stauseen (steuerbar, nutzbar ganzjährig aber insbesondere interessant für Spitzenstrom und Winterstrom)
- Pumpspeicherkraft an Stauseen mit Ausgleichsbecken und Pumpen (steuerbar aber mit Energieverlust, nutzbar ganzjährig aber insbesondere für Spitzenstrom und Winterstrom, Ausnutzung von Strommarktpreisdifferenzen)
Durch den bereits erfolgten, und noch geplanten Ausbau der Photovoltaikproduktion, welche in den Wintermonaten anteilsmässig weniger Stromproduktion beiträgt als in den anderen Jahreszeiten, und die schrittweise Abschaltung der Atomkraftwerke in der Schweiz ist es notwendig geworden, dass die Wasserkraft insgesamt, insbesondere aber die steuerbaren Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke ausgebaut werden. Zusammen mit der Windkraft (höhere Produktion im Winter) und Photovoltaik (tiefere Produktion im Winter) soll so die Stromproduktion in den Wintermonaten gewährleistet werden. Durch die Verlegung der Produktion in die Wintermonate muss bei etlichen Projekten die Sommerstromproduktion reduziert werden, um Wasser in Speicherseen vorzuhalten, damit es vermehrt in den Wintermonaten turbiniert werden kann. Weil es dadurch zu Einbussen in der Sommerstromproduktion kommt, und dadurch bei den Energieunternehmen weniger Spielraum für die ganzjährige Bedienung von Spitzenstrom gemäss Marktnachfrage besteht, muss die sogenannte «Winterstromreserve» von den Strom-Konsumenten zusätzlich über das «Netznutzungsentgelt» bezahlt werden.
Um die verschiedenen Interessensvertretungen bezüglich des Ausbaus der Wasserkraft zu berücksichtigen und damit den Konsens auf eine breite Basis zu stellen, wurde im Jahr 2020 von Bundesrätin Simonetta Sommaruga der sogenannte «Runde Tisch Wasserkraft» einberufen, in dem 15 prioritäre Ausbauprojekte bestimmt wurden, die zusammen circa 2 TWh zusätzliche Stromproduktion pro Jahr beisteuern sollen. Es handelt sich dabei sowohl um Ausbauten an bestehenden Stauseen, zusätzliche Stollen und Wasserfassungen, sowie auch um komplett neue Stau- und Wasserkraftanlagen. Die Liste wurde im letzten Moment noch durch ein 16. Projekt «Chlus (Küblis – Trimmis)» im Kanton Graubünden ergänzt, bevor sie am 9. Juni 2024 durch die Volksabstimmung (Referendum) im Rahmen des Bundesgesetzes («Mantelerlass») für «Sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien» gutgeheissen wurde.
In der Karte «Ausbau der Wasserkraft» (Ausblick 2025 bis ca. 2040)» werden die 16 Projekte des «Runden Tisches Wasserkraft» vorgestellt, sowie weitere Projekte («32er-Liste») die derzeit diskutiert werden. Dargestellt und abfragbar sind Informationen zur geschätzten zusätzlichen Jahresproduktionen, Speicherkapazitäten, Angaben zur Wirtschaftlichkeit, Umweltbeeinträchtigung, sowie zum Planungsstatus. Projekte, deren Planung bereits weit fortgeschritten ist, weisen mehr Angaben und technische Details auf, als Projekte über diese noch wenig bekannt ist. Falls die Informationen im Rahmen der Konzessions- und Bewilligungsverfahren bereits veröffentlicht wurden, werden in der Karte die erhöhten Staudämme, erweiterte Stauseeperimeter, Kraftwerkstandorte, Wasserfassungen, Stollen und Zubringerleitungen, Ausgleichsbecken und Restwasserstrecken dargestellt.
Wichtige Anmerkung: es handelt sich um «Projekte», deren Umsetzungspläne unterschiedlich konkret sind und deren Bewilligungsverfahren noch laufen, oder noch nicht einmal gestartet wurden. Zudem spielen wirtschaftliche Überlegungen und Subventionen eine grosse Rolle, ob ein Kraftwerksprojekt tatsächlich umgesetzt wird. Bei einigen Projekten wird zunächst die technische Machbarkeit geklärt. Bei doppelt gekrümmten Bogenstaumauern ist es technisch sehr anspruchsvoll, eine bestehende Staumauer, die für einen bestimmten Wasserdruck, eine bestimmte Topografie und Gesteinsbeschaffenheit statisch berechnet wurde, zu erhöhen. Siehe dazu den referenzierten Infosperber-Artikel. Der hohe technische Aufwand für die Erhöhung einer bestehenden Staumauer kann solche Projekte unwirtschaftlich machen.
Textquellen
- Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband (2021): Runder Tisch Wasserkraft
- Bundesamt für Energie BFE (2024): Wasserkraftanlagen der Schweiz. Entwicklung der Leistung und der mittleren Produktionserwartung 1913-2023.
- Christian Bernhart: Einige Staumauerprojekte für grünen Strom sind Augenwischerei. In: Infosperber
Datenquellen
- Catherine Duttweiler (2023): Hier will das Parlament Schutzgebiete zerstören. In: Infosperber
- ETH Zurich: Atlas of Switzerland
- Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband (2021): Runder Tisch Wasserkraft
- swisstopo (2026): swissTLM3D
Dateneigner: Bundesamt für Landestopografie (swisstopo), Atlas der Schweiz (AdS)
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